Wie Ihr Euer Kind vor Gefahren auf Snapchat schützt: Tipps zu Einstellungen und Sicherheit

Wie Ihr Euer Kind vor Gefahren auf Snapchat schützt: Tipps zu Einstellungen und Sicherheit

Julia Huber

Snapchat gehört inzwischen fest zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Rund 20 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer sind zwischen 13 und 17 Jahre alt. Damit ist die Plattform besonders bei Jugendlichen stark vertreten. Sie nutzen die App vor allem, um Freunden Bilder oder kurze Videos zu schicken, die nach einmaligem Anschauen wieder verschwinden, oder um sich über Chatnachrichten auszutauschen. Auch das Posten von Stories gehört dazu, und über die Snap Map können sie sogar live ihren Standort mit anderen teilen.

Gerade diese Funktionen machen den Reiz der App aus – sie wirken spielerisch, spontan und unverbindlich. Doch genau das kann auch zur Gefahr werden. Inhalte, die nach Sekunden verschwinden, vermitteln ein trügerisches Sicherheitsgefühl. Jugendliche glauben schnell, dass nichts „bleibt“ und sind deshalb eher bereit, riskante Bilder zu verschicken oder unbedachte Dinge zu schreiben. In Wahrheit können Snaps aber gespeichert oder als Screenshot festgehalten werden, ohne dass Betroffene es verhindern können.

Ein weiteres Risiko ist der Kontakt mit Fremden. Snapchat macht es sehr leicht, neue Personen zu finden und anzuschreiben. Oft reicht schon, dass eine Telefonnummer im Adressbuch gespeichert ist oder ein Freundesvorschlag erscheint. Was für Kinder und Jugendliche nach einer harmlosen Freundschaftsanfrage aussieht, kann in Wahrheit ein Fremder sein, der gezielt versucht, Kontakt aufzunehmen. Studien zeigen: Unter allen gemeldeten Grooming-Fällen im Vereinigten Königreich fand etwa die Hälfte über Snapchat statt. Damit liegt die Plattform auf Platz eins aller Social-Media-Dienste, wenn es um Grooming geht.

Auch Mobbing ist auf Snapchat ein Problem. Vor allem in Gruppenchats kommt es vor, dass Jugendliche ausgegrenzt, beleidigt oder bloßgestellt werden. Da Nachrichten und Bilder verschwinden, fällt es schwer, Beweise zu sichern oder Hilfe zu holen. Das macht es für Betroffene besonders belastend.

Hinzu kommt: Neben privaten Chats gibt es bei Snapchat auch öffentliche Inhalte. In der „Discover“-Sektion oder in öffentlich geteilten Stories können Kinder und Jugendliche schnell mit unangemessenen oder sogar expliziten Inhalten in Kontakt kommen. Zwar verbietet Snapchat solche Inhalte offiziell, doch die Filtermechanismen sind nicht lückenlos.

All diese Punkte zeigen: Snapchat ist nicht per se gefährlich, aber es ist eine Plattform, die Kindern und Jugendlichen viele Möglichkeiten bietet – und damit auch viele Risiken. Deshalb ist es entscheidend, dass Ihr als Eltern die Nutzung aktiv begleitet, Risiken erklärt und gemeinsam mit Euren Kindern die richtigen Einstellungen setzt.

So stellt Ihr Snapchat für Euer Kind sicher ein

  1. Sichtbarkeit in Freundesvorschlägen eingrenzen: Stellt ein, dass Euer Kind nur dann als Vorschlag angezeigt wird, wenn es bereits mehrere gemeinsame Freunde mit der anderen Person hat. Erklärt Euren Kindern außerdem, warum sie keine Anfragen von Unbekannten annehmen oder selbst fremde Personen hinzufügen sollten.
  2. Standort schützen: In der Snap Map lässt sich festlegen, wer den Standort sehen darf. Am sichersten ist es, den Standort ganz zu verbergen. Alternativ kann er maximal mit engsten Freunden geteilt werden. Sprecht mit Euren Kindern darüber, warum ein versteckter Standort ihre Sicherheit deutlich erhöht.
  3. Wer darf mich kontaktieren?: Unter den Privatsphäre-Einstellungen könnt Ihr einschränken, wer Eurem Kind Nachrichten schicken darf. Empfehlenswert ist: Nur Freunde. So wird vermieden, dass Fremde Nachrichtenanfragen senden können.
  4. Story-Einstellungen anpassen: Legt fest, wer die Stories Eures Kindes sehen darf. Am besten: nur Freunde. Zusätzlich könnt Ihr Stories vor bestimmten Personen verbergen, wenn das nötig ist.
  5. Family Center nutzen: Snapchat bietet ein integriertes Eltern-Kontrollzentrum namens Family Center. Hier könnt Ihr die Accounts von Euch mit dem Eures Kindes koppeln. Ihr seht dann, mit welchen Nutzern Euer Kind in den letzten 7 Tagen gechattet hat und wer auf der Freundesliste steht – ohne die Chat-Inhalte selbst einsehen zu können. So bleibt die Privatsphäre Eures Kindes geschützt, während Ihr gleichzeitig erkennt, ob unbekannte oder verdächtige Kontakte dabei sind. Außerdem könnt Ihr prüfen, ob der Standort verborgen ist, und Benachrichtigungen aktivieren, falls Euer Kind ihn doch freigibt.
  6. Melden von Verstößen: Zeigt Euren Kindern, wie sie unangemessene Inhalte oder belästigendes Verhalten direkt in der App melden können. Macht ihnen klar, dass es wichtig ist, sich nicht allein zu fühlen, sondern Hilfe zu suchen, wenn etwas Unangenehmes passiert.

Mit diesen Schritten macht Ihr Snapchat für Eure Kinder sicherer und helft ihnen, die Plattform bewusst zu nutzen. Am besten nehmt Ihr Euch Zeit, die Einstellungen gemeinsam durchzugehen und dabei gleich über mögliche Risiken zu sprechen. Das gibt Sicherheit und stärkt gleichzeitig das Vertrauen zwischen Euch und Euren Kindern.

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